Die Suzuki-Methode

Die Suzuki-Methode wurde in den 1950er Jahren von Dr. Shinichi Suzuki in Matsumoto (Japan) entwickelt. Suzuki konzipierte seine innovative Methode für sein eigenes Instrument, die Geige. 1956 begann die Pianistin Dr. Haruko Kataoka eine Unterrichtsdidaktik für das Klavier zu entwickeln. Schnell wurde die Suzuki-Methode in Amerika bekannt, wo man mit Erstaunen zur Kenntnis nahm, dass schon Vorschulkinder anspruchsvollste Stücke spielen können. Inzwischen, ein halbes Jahrhundert später, unterrichten über 8.000 ausgebildete Suzuki-Lehrer in 40 Ländern auf allen Kontinenten mehr als 250.000 Kinder und Jugendliche nach der Suzuki-Methode. 

Ein besonderes und einzigartiges Merkmal der Suzuki-Methode ist die außerordentlich sorgfältige langjährige Ausbildung des Lehrpersonals. In jahre- und jahrzehntelanger Ausbildung bei sogenannten "Teacher Trainers", die von den nationalen Suzuki-Gesellschaften ernannt werden, machen professionelle Musiker und Musikpädagogen sich nicht nur das Unterrichtsmaterial und dessen Vermittlung, sondern auch die humanistische Philosophie der Suzuki-Methode zueigen. Deren Hauptinhalt spiegelt sich in einem Zitat ihres Begründers Shinichi Suzuki wieder: "Erst das Kind, dann die Musik".

Früher Anfang nach Gehör- die Muttersprachenmethode

Die Ausbildung von Suzuki-Instrumentalschülern kann bereits im Alter von 3 bis 4  Jahren beginnen. Die optimale Vorbereitung Während dieses zukunftsentscheidenden Lebensabschnitts, in dem die Grundlagen der Persönlichkeitsentwicklung gelegt werden, sind Kinder besonders lernfähig und -begierig. Das zeigt sich daran, mit welcher Mühelosigkeit und Freude Kinder ihre Muttersprache lernen. Kinder vergrößern ihren Wortschatz mit atemberaubender Geschwindigkeit und sind dabei unfehlbar erfolgreich. Der Spracherwerb verläuft dabei unabhängig von Nationalität und Kultur immer nach dem gleichen Muster ab: Zuerst sprechen, dann schreiben und lesen. 

Die Vorstellung, einem Säugling das Lesen beizubringen, noch bevor er das erste Wort gesprochen hat, wäre abwegig und nach entwicklungswissenschaftlichen Kriterien völlig aussichtslos. Das gleiche Prinzip gilt auch für die Musik. Es macht keinen Sinn, ein Kind im Vorschulalter das Entziffern der Notenschrift zu lehren, solange es nicht gelernt hat, die „Sprache der Musik“ zu sprechen, mit anderen Worten: Sein Instrument zu spielen.Die Bedeutung einzelner Buchstaben und Wörter (Notenwerte und Rhythmen) zu kennen, versetzt uns nicht automatisch in die Lage, ihren Sinn zu verstehen. Obwohl viele Sprachen das gleiche Alphabet verwenden, können wir eine fremde Sprache nicht lesen, auch wenn uns die einzelnen Buchstaben vertraut sind. Noch dazu kann der Klang einzelner Buchstaben in verschiedenen Sprachen völlig unterschiedlich sein. Um eine fremde Sprache verstehen zu können, müssen wir sie hören, um sie sprechen zu können, müssen wir das Sprechen immer wieder üben. Beherrschen wir beides, können wir ihre Rechtschreibregeln erlernen und sie lesen und schreiben. Das gleiche Prinzip gilt für die Sprache der Musik.

Das Suzuki-Dreieck

Eine typische Unterrichtssituation spiegelt das Suzuki-Dreieck wider: Die Zusammenarbeit von Kind, Lehrer und Elternteil. Das Suzuki-Dreieck Eltern-Kind-Lehrer verdeutlicht die enge Zusammenarbeit zwischen Eltern, Kind und Lehrer. Lehrer und Eltern sind dabei für verschiedene Aufgabenbereiche zuständig und schaffen so die Voraussetzungen für das Gelingen des Klavierunterrichts. Um den ersten Schritt des „musikalischen Spracherwerbs“ zu bewältigen, muss das Kind von klein auf von einer musikalischen Atmosphäre umgeben sein. Die Kreation einer solchen

Atmosphäre obliegt den Eltern. Sie sind dafür verantwortlich, das Musikhören in den Alltag des Familienlebens einzubinden. Dabei spielt das Hören der Unterrichts-CD mit Aufnahmen aller Unterrichtstücke die wichtigste Rolle. Bei regelmäßigem Hören macht das Kind sich die Musik zu Eigen wie ein geliebtes Märchen, das auch beim hundertsten Vorlesen nicht langweilig wird. Das regelmäßige Hören verankert die Stücke so sicher im Gedächtnis, dass das Kind in der Lage ist, jedes Stück an den ersten Tönen zu erkennen und mitzusingen. Dies ist der erste Schritt auf dem Weg zum Spielen des Stücks.

Um ein Stück auf dem Klavier spielen zu können, ist außer der  Klangvorstellung die richtige Technik vonnöten. Eine freie, natürliche Spieltechnik ermöglicht flüssiges Spiel mit lebendigem Klang. Eltern und Lehrer arbeiten zusammen, um dem Kind von der ersten Unterrichtsstunde an eine gute, natürliche Technik beizubringen. Anders als Erwachsene lernen Kinder durch ihre Sinne, also durch Beobachtung und Nachahmung eines Vorbilds. In der Unterrichtsstunde übernimmt der Lehrer die Vorbildfunktion. Beim häuslichen Üben fällt diese Aufgabe dem Elternteil zu, der sich entschlossen hat, die Verantwortung für die musikalische Ausbildung seines Kindes zu übernehmen. Um dieser bedeutungsvollen Aufgabe gerecht werden zu können, erhält dieser Elternteil im Vorfeld eine gründliche Einweisung durch den Lehrer. Unter fortdauernder Anleitung des Lehrers wachsen die Eltern in ihre Aufgabe als Übe-Betreuer ihrer Kinder hinein. Da der Lehrer aufgrund der relativen Seltenheit und Kürze der wöchentlichen Unterrichtsstunde lediglich begrenzte Einflussmöglichkeiten hat, ist die Mitarbeit der Eltern für den Erfolg des Unterrichts von größter Bedeutung.

Spiel nach Noten – Spiel nach Gehör

Die Beherrschung der Notenschrift ist ein wichtiges Ziel des Suzuki-Unterrichts. Der Schüler kann sich nur dann zur selbstständigen musikalischen Persönlichkeit entwickeln, wenn er in der Lage ist, eigenständig Stücke zu erarbeiten. Das Spielen nach Noten wird eingeführt, sobald das musikalische Gehör, das Stilempfinden und die Spieltechnik des Kindes ausreichend entwickelt sind. Der Zeitpunkt variiert dabei von Kind zu Kind, da er abhängig vom Alter und vom Lerntyp ist; in den meisten Fällen wird das Spielen nach Noten parallel zur Erarbeitung des zweiten Bandes der Suzuki-Klavierschule eingeführt. Auf diese Weise erwirbt das Kind einerseits die Voraussetzung zum freien, flüssigen Spiel und andererseits die Fähigkeit der eigenständigen Erarbeitung neuer Stücke.

Konzerte und Workshops

Ein wichtiges Element der Suzuki-Methode sind Gemeinschaftsveranstaltungen wie Konzerte und Workshops. Bei SuzukiPiano hat Ihr Kind ca. viermal jährlich Gelegenheit seine neuen Stücke bei einem Konzert der Klavierklasse zu präsentieren. Diese häufige Auftritts-Option ist ein wichtiges Motivationselement. Wir alle wissen, wie schwer es ist, sich ohne konkretes Ziel zur Arbeit an einem Projekt zu motivieren, aus diesem Grund dienen regelmäßige Konzertauftritte als wichtige Motivation für das regelmäßige Üben.

Nationale und internationale Suzuki-Workshops stellen Großereignisse im Suzuki-Jahreslauf dar. SuzukiPiano München veranstaltet alle zwei Jahre ein großes internationales Suzuki-Festival mit renommierten Suzuki-Dozenten aus aller Welt. Dabei sind neben dem Klavier oft auch andere Instrumente vertreten, sodaß die jungen Pianisten beispielsweise Erfahrungen im Zusammenspiel mit einem Streichorchester sammeln können.

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